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‘Ich wünschte, ich wäre jemand anderes’: Komplexe Identitätsbildung und berufliches Wohlbefinden bei Tierärzten

Die Sorge um die psychische Gesundheit von Tierärzten ist weit verbreitet. Bei ihrem Berufseinstieg treffen Tierärztinnen und Tierärzte auf Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichen und widersprüchlichen Identitäten, die sich darin äußern, dass sie der endgültigen klinischen Behandlung, den zwischenmenschlichen Beziehungen oder dem wirtschaftlichen Erfolg der Praxis unterschiedliche Priorität einräumen.

Von Armitage-Chan, E auf July 04, 2024

In anderen Berufen entsteht ein schlechtes Wohlbefinden durch die Verwirrung zwischen diesen widersprüchlichen Identitätsdiskursen, da neue Fachkräfte versuchen, Rollenmodelle zu finden, die mit ihren eigenen Identitätsvorstellungen übereinstimmen. Das Wohlbefinden neuer Tierärztinnen und Tierärzte kann also davon abhängen, wie sie ihre verschiedenen Identitäten aushandeln, wie sie ihre eigenen beruflichen Werte aufbauen und welche Art von Tierarzt sie werden wollen.

Methoden

Die Identitätsbildung wurde anhand der Geschichten von Tierärztinnen und Tierärzten in den sozialen Medien narrativ erforscht.

Ergebnisse

Ein schlechtes berufliches Wohlbefinden scheint auf eine Identitätsverwirrung zurückzuführen zu sein: Es gelingt nicht, sich konsequent entweder dem dominanten diagnoseorientierten Diskurs, der von akademischen Rollenmodellen geschätzt wird, oder einem beziehungsorientierten Diskurs zu verschreiben, der die Arbeit mit kontextuellen Herausforderungen wie den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kunden in den Vordergrund stellt. Stress am Arbeitsplatz schien die Dominanz der akademischen Prioritäten im Selbstverständnis zu verstärken und die Identitätsverwirrung zu verschlimmern. Bedenklich war auch die Positionierung des Kunden als “Feind”, die den Identitätszielen der Tierärzte im Wege stand. Der soziale Dialog, der bei Konflikten zwischen Tierarzt und Klient Unterstützung bieten sollte, verstärkte möglicherweise die Ablehnung des Klienten aus der tierärztlichen Berufsidentität und stärkte eine kontextunangemessene, nicht beziehungsorientierte Identität. Dies verstärkte die Identitätsverwirrung zwischen der geschätzten “diagnostischen Identität” und der lokal geschätzten Beziehungsidentität und wirkte sich negativ auf das Wohlbefinden aus.

Schlussfolgerungen

In der tierärztlichen Ausbildung und der beruflichen Weiterbildung sind Maßnahmen erforderlich, die zum Nachdenken über Identität anregen und den Wert relationaler Identitätsmerkmale stärken. Lies mehr HIER.